Blog — Hirschen, fine hotel in the Bregenzerwald

Unaufgeregtheit

Von Zeit zu Zeit geschieht es, dass der Hirschen irgendjemandem auffällt. Eine schöne Sache, kommt man doch aus einem Eck, das ich liebend gerne als "Forever Geheimtipp" betitle.


So mancher Besucher versichert uns in verlässlicher Häufigkeit den "nahenden Durchbruch". Sollte es einen solchen geben, scheint er mir zögerlich. Ich beschwere mich nicht. Langsames Wachstum mag meiner ungeduldigen Seele unerträglich sein, hat aber dazu geführt, dass wir über die Dinge hier gut nachgedacht haben. Ich würde fast unterstellen: sie haben mehr Substanz bekommen, als sie sonst gehabt hätten.





Vor ein paar Wochen durfte ich den Hirschen jedenfalls an einem Ort vorstellen, der wesentlich mehr Reputation, Tourismusintensität und Mercedes-G-Klassen in Mattlackierung besitzt, als sie hierzulande auffindbar wären. An solchen Orten muss man "dem Gascht!" schließlich etwas bieten. Der "Gascht!" will Rolltreppen, Alpenromantik, Kaiserschmarren. Alter Hut, da hat Österreich sich an die Weltspitze gemarktet. Interessanter ist da der volatile Teil: die saisonalen Auswüchse.


Derzeit hip: "Cocooning", "Longevity", "Gen-Z-Fit", "KI". Nennen Sie mir einen Ort, an dem man ohne einen dieser Begriffe durch den Tag kommt. Vor zwei Jahren war das noch "Big Data", "Agile Organisation", "Workation".


So läuft das. Ein wichtiges Unternehmen schreibt ein Trendpapier, streut es fest am Markt und dann kommt die Email: Sind Sie fit für Longevity? 123 % aller Gäste wollen nicht früh sterben! Was tun Sie dagegen?! Tja. Und dann schaut man sich daheim um und denkt, bis gestern hat das allen gepasst. Jetzt müssen wir den Cos d'Estournel wohl selber trinken und mit Gurkensaft ersetzen. Es geht also den Gurken an den Hals, dafür erleben die Trauben im Bordeaux auf einmal Longevity, weil sie keiner mehr schlürfen will. Maximal für Traubenkernkosmetik kann man die jetzt brauchen.




Hier kommt das Sein am Land ins Spiel. Das wirkt nämlich ein bisschen wie ein Filter. Ich mag nach bald 9 Jahren ein Landei geworden sein, oder einfach ein alter Boomer - aber man nimmt all das angenehm gedämpft wahr. Und verstehen Sie mich nicht falsch, ich könnte den halben Tag in Claude hineinnerden. Es bringt nur eine meiner meistgeschätzten Eigenschaften zum Vorschein: Unaufgeregtheit.

Die estimiere ich nicht nur an Menschen, sondern auch an Organisationen. Es gibt so wunderbare leise Dinge, die einfach nur gut sind. Und funktionieren. Wie schön ist das eigentlich?



Auf Urlaub fährt man wegen Erholung oder Entertainment. Eh immer schon. Meistens eine Mischung aus beidem. Ob Sie sich also eincocoonen, workaten oder mit der KI chatten - passt wunderbar. Oder einfach am Bänkle ein Bier trinken. Fühlt sich so gut an, kann nicht falsch sein.


Jedenfalls: im Hirschen erleben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit einen unaufgeregten Sommer. Genauso wie Herbste, Frühlinge und Winter (Singular = Plural, offensichtlich). Das heißt nicht, dass wir nicht ständig dahinter wären, das alles hier so pretty und agile wie möglich zu machen. Vielleicht sehen wir Sie ja bald im Land der Unaufgeregtheit.

Auf bald, alles Liebe
Peter Fetz

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