Blog — Hirschen, fine hotel in the Bregenzerwald

Ein Weihnachtswunder
Eigentlich wollte ich Ihnen berichten, wie viele Architektur-Awards unser Badehaus in letzter Zeit eingeheimst hat. Das ist schon eine schöne Sache, wirklich! Und ganz gewiss "derwert", wie man hier sagt, Ihnen ein paar Minuten Ihrer Aufmerksamkeit abzuringen, um die speziell gegen Ende des Jahres ja fast schon besorgniserregend gebuhlt wird.
Aber so ein Staatspreis Architektur ist halt auch nur dann gut, wenn man überhaupt ein Haus hat, in dem man diesen dann auch hinhängen kann. Und an diesem Punkt wäre es um ein Haar knapp geworden, vergangenen Advent, Halleluja, wirklich knapp.
Es ist nämlich so: der Hirschen hat gebrannt. Und das meine ich nicht in meinem gemeinhin bekannt-saloppen Schmäh als Referenz für Höchstleistungen auf der Tanzfläche. Sondern so richtig! Aber nun der Reihe nach, wie meine Deutschlehrerin mir das damals beim Tatsachenbericht erklärt hat:
Akt 1 — der schlafende Peter
Zuweilen haut es auch den überzeugtesten Wirten darnieder. So ist es auch mir ergangen am Donnerstag. Weder Wick Medi Nait noch Enzianschnaps konnten einen frühen Abend im Bett abwenden. Also habe ich mich ergeben, mich schicksalsakzeptierend in die Federn begeben. Und bin dort in einen eigenartig tiefen Schlaf gefallen. Bis dann mein Telefon läutete…
Akt 2 — Alarm, Alarm
Es war der Niko, Ihnen höchstwahrscheinlich bekannt als stets gut gelaunter Restaurantleiter dieses ehrwürdigen Etablissements. Jetzt kenn ich den Typen ja schon eine ganze Weile. Und ich sage Ihnen, der ruft mich nicht an, wenn nicht der Laden brennt.
Bis vor Kurzem hätte ich damit gemeint: Gast mit schwierigem Anliegen außerhalb der moralischen Geschäftszeiten, Kamin fällt vom Dach (wirklich schon passiert), Heizungsausfall oder Auto fährt in Gartenmauer. Oder so.
Diesmal aber eher so: "Peter, kommt Rauch aus Heizung, Glaub nicht, dass das so sein soll". — Peter im Tiefschlaf: "Niko, ich rauche nicht. Warum rufst du mich so spät an? — "Dann rufe ich Jonathan an!" — "Der raucht auch nicht!" — "Ach Chef, ich rufe an!".
3 Minuten später ein weiterer Anruf. Der Brandalarm. Mariamuttergottes jetzt aber plötzlich doch sehr, sehr wach und auch endlich das Rauchdings verstanden. Also, wie von der Tarantel gestochen auf und gen Hirschen gerast. Feuerwehr schon da. Noch schneller ist wohl nur Vol.at in diesem Land. Lichtgeschwindigkeit, F32, Überschalljäger, Vol.at, Feuerwehr, Hermann Maier. So oder so ähnlich muss die Reihenfolge sein.

Akt 3 — Der Hirschen brennt!
Beim Ankommen spiegelt sich in den filigranen Fenstern der 270jährigen Häuser am Dorfplatz ein Meer von Blaulicht, reflektiert von neongelben Warnwesten, langsam verlaufend in einen gewaltigen Rauchkegel über unser aller Tempel des Hedonismus. Hach, da zieht's einem schon ein bisschen das Herzlein zusammen, bei diesem Anblick.
Kurz wieder Tatsachenbericht ohne Ausschweifung:
Niko hat Jonathan angerufen — heldenhaftes Eingreifen mit Gardenaschlauch — Glutnest hinter Kamin in der Bar — Lehrling Elisabeth plötzlich Profi-Evakuierein — Hausgäste und Weihnachtsfeier Felder Metall allesamt ins Tanzhaus — Feuerwehr übernimmt — Drehleiter, Tankwagen, Vol.at, Drohne, Wasser, Rauch, Rettung, Polizei, Sacre Bleu! — Feuerwehr beginnt, Fassade aufzusägen — überall raucht es aus dem Hirschen — Hirschen-Team bringt alle Gäste in Wälderhaus unter — kein Ende in Sicht — doch ein Ende in Sicht — Frühstück wird organisiert — erste Handwerker tauchen schon mitten in der Nacht auf — Feuerwehr sagt, wir haben's — Schaden anschauen — Feuerwehr offensichtlich lauter Chirurgen an der Stiehl Motorsäge — kaum Wasserschaden im haus — aber halt großes Loch in der Wand — Bier in der Jägerstube — Plan schmieden — Feuerwache halten — Rundgang durchs Haus — 1 h Schlaf in der Jägerstube.

Akt 4 — Hirschen, wos mochma?
In Anbetracht der ausufernden Länge dieses Newsletters, verfahre ich vorerst weiter im Stakkato:
6:00 WhatsApp an Handwerker — 7:00 Handwerker trudeln ein — Kaffee & Loch anschauen — "Momoll, Pedro, das machond meor scho" — Ofen ist um 10:00 weg — Zimmermänner fangen an, das Loch zu stopfen — Presse kommt — 1000 Anrufe und Nachrichten — wir verständigen alle Gäste, wissen aber eigentlich noch gar nicht was sagen — es stellt sich heraus, dass wir vielleicht am Abend schon wieder aufhaben können (really?!) — Team zusammentrommeln — sogar der Maler kommt noch — Luftreiniger aufstellen — Grundputz Bar — 18:00 die ersten 2 Bier werden serviert — Unglaublich, ein Weihnachtswunder.

Akt 5 — Neueröffnung
Irgendwie fühlt es sich so an, als hätten wir noch eine Chance bekommen. Eine wunderbare, in goldenes Licht gepackte Chance, weiterhin diesen Ort betreiben zu dürfen. Wir sind so enorm dankbar, dass das so ist.
Gehen tut das nur aufgrund
— des umsichtigen Handelns des Hirschenteams
— der professionellen Vorgehensweise der Feuerwehren und Einsatzkräfte
— der unglaublichen Hilfsbereitschaft von Handwerkern und Dorf
— der Coolness unserer Gäste
Akt 6 — Schluss & weiter
Wow, wow, wow, heißt es so oft am Ende einer Geschichte in diesem Haus. Es scheint, als gäbe es eine neu zu erzählen, die genau so endet.
We get to serve another drink!
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